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9. - 16. Januar 2009, General Public, Schönhauser Allee 167c, 10435 Berlin
mit Shingo Inao, Daisuke Ishida + Noriko Yamaguchi, Stephane Leonard, Hirofumi Matsuzaki, Satoshi Morita und Seiji Morimoto.
Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Schnittstelle von Kunst, Technologie, Gesellschaft und Klang. Es werden Entwicklungen und künstlerische Positionen zeitgenössischer Medienkunst gezeigt, die mit sowohl digitalen als auch analog-elektronischen sowie mechanischen Technologien künstlerisch-reflektiv arbeiten.
Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wird in der Physik, Mathematik und Naturwissenschaftnicht mehr von einem statischen Weltbild ausgegangen, sondern von einem zeitlich-dynamischen Weltbild. Dinge die zuvor unberechenbar waren wie Schwingungen, Energie und Wärme wurden sehr bald techno-mathematisch kalkulierbar. Jean Baptiste Joseph Fourier (1768 - 1830) gilt dabei als wichtige Figur, da er mathematisch bewiesen hat, dass die meisten komplexen Schwingungen, das bedeutet auch komplexere musikalische Klänge, auf einfache Sinus-Schwingungen runter berechnet werden können.
Dadurch kann die Struktur von komplexen Naturphänomenen analysiert, das heisst in Einzelteile zerlegt und wieder synthetisiert, das heisst zusammengesetzt werden. Der Synthesizer wurde theoretisch begründet. Hermann von Helmholtz (1821 - 1894) war anschliessend der erste der ungefähr 1860 mit seinen akustisch-mechanischen Resonatoren Klangphänomene analysieren und re-synthetisieren konnte und damit einen Ur-Synthesizer konstruierte.
Das Weltbild der Wissenschaft hat seit Fourier etwas musikalisches an sich. Deshalb verkehren Musik, Naturwissenschaft und Technologie seit dem in den Hinterhöfen des Weltgeschehen und produzieren in ihren Affären diverse neue Medien- und Audiotechnologien wie den Phonographen, das Radio, das Telefon, das Tonband, den Synthesizer, den Musik-Computer, das Internet-Telephon-Modem, das Mobiltelefon, den Mp3-Player und die neuen portablen Minicomputer sogenannte Handhelds wie PDA, Smartphone, iPhone
oder Android.
Heute im Zeitalter von Mobilfunk, Wireless Lan, Bluetooth, RFID wo wir umgeben sind von digitalen Medientechnologien, die immer kleiner und unsichtbarer werden und trotzdem durch drahtlose Telekommunikation allgegenwärtig sind, das heisst ubiquitär sind, werden wir in unserem Alltag fast immer mit elektromagnetischen Wellen konfrontiert. Wellen die hörbar gemacht werden können. So sind wir durch unser Streben nach Mobiltät gleichzeitig in einer unhörbaren Kakophonie elektromagnetischer Dissonanzen gelandet.
Shingo Inao, Daisuke Ishida + Noriko Yamaguchi, Stephane Leonard, Hirofumi Matsuzaki, Satoshi Morita, Seiji Morimoto und deren Kurator Shintaro Miyazaki haben sich mit dieser neuen “conditio humana” auf ihre je eigene Weise künstlerisch nachdenkend beschäftigt und zeigen einen Teil ihrer Arbeiten.
“Ubiquitous oscillations” or “Fourier changed our world” ist ein Teil-Projekt von la-condition-japonaise, ein von Shintaro Miyazaki und Eri Kawamura kuratierte Netzwerk und Kunstprojekt zur Förderung junger zeitgenössischer japanischer Kunst und Musik in Berlin und Europa.
>>> Werkbeschreibungen
Fourier ermöglichte die Synthese und Analyse von Klang, indem ein komplexer Klang in seine Bestandteile zerlegt wird. Shingo Inao (*1980) liess sich davon auf einer übergeordneten Ebene inspirieren und zeigt mit Onyx (2009) eine Klanginstallation, die aus 49 kleinen tickenden Uhren besteht. Einfache Rhythmen (60 Ticks pro Minute) bringen eine komplexe sich ständig verschiebende polyrhythmische Struktur hervor. Onyx referriert hier auf einen Mineralstein, der aus vielen Schichten besteht und dadurch besonders schön aussieht. Ähnlich wie der Stein Onyx aus Schichten besteht, besteht der Klang bei Onyx (2009) aus divergierende Klang- und Rhythmusschichten.
Anhand der TV-Installation “Scanning” (2005) beschäftigt sich Seiji Morimoto (*1971), der in den frühen neunziger Jahren in Tokio “Water Music” oder “Cartridge Music” von Cage interpretierte, mit der Sonifizierung der elektromagnetischen Abstrahlung der Kathodenstrahlröhre des Fernsehers. Die Version für die aktuelle Ausstellung wird mit Kopfhörer versehen. Auf einer ähnlichen Weise räsoniert/re-soniert Stephane Leonard (*1979) in AES256 (2005-2007) den Klang von Skype. “In unregelmässigen Abständen habe ich Freunde und Bekannte, aber auch fremde Personen, mit dem Internettelefon Skype auf ihrem Handy angerufen und sie gebeten ein paar Minuten inne zu halten und das Telefon neben sich abzulegen und als Mikrophon zu verwenden, damit ich eine Aufnahme von den Umgebungsgeräuschen anfertigen konnte.” (Stephane Leonard).
Mit der Installation Decryptopattern (2009), die in einem separaten abgedunkelten Raum ausgestellt wird, versuchen Daisuke Ishida (*1980, Mitglied von Sine Wave Orchestra) und Noriko Yamaguchi die Wirklichkeit hinter dem Schein der heutigen Informationsgesellschaft zu ergründen. “The idea is to be able to grasp the truth behind the vast vortical information around us. I believe that the facts about world incidents are not possible to be received without some form of filtering through newstellers, their thoughts, their experiences, their constraints and the incidents contexts. We want to present a possibility to understand media and to discover the abstract raw truth through aggregate information, Chladni patterns and Noriko Yamaguchi’s twisting papers as a direct physical phenomena.” (Daisuke Ishida)
Hirofumi Matsuzaki (*1979) arbeitet mit Acryl, Pinsel und Computer. Seine spiralförmigen Blumen scheinen aus dem Nichts aufzutauchen. Mit der Serie “Studies on Flow-ers” (2008) beschäftigt sich Matsuzaki mit dem Flow-Phänomen. Wir saugen uns heute zunehmend in die Welt des Virtuellen ein. Weit entferntliegende Orte werden mittles Telekommunikationsmedien verbunden. Die dekorativen Blumen verbinden das “Da-sein” mit dem “Hier-sein”.
Satoshi Morita (*1974), der einen Honorary Mention der Ars Electronica bekam präsentiert seinen Klanghelm (2008), eine künstlerische Plattform für audio-taktile Klangwahrnehmung. Physikalisch gesehen ist Klang eine Schallbewegung durch Medium (normalerweise durch Luft). Klang ruft auch visuelle und taktile Assoziation hervor. Der Schall wird mit dem Klanghelm sowohl auf das Trommelfell als auch auf der Körperoberfläche wahrgenommen werden. Dieses multi-sensorische Klangerlebnis bietet eine neue Horizont der Klangrezeption und Kompositionsmöglichkeit.